Geschichte: Ohne zu zögern

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Diese Geschichte fand Ende August 2007 auf Amune statt. Eine fremde, kristallene Lebensform kam als Späher oder Kundschafter bei der Station an, erwies sich jedoch als feindlich und wurde vernichtet. Die kurze Episode zeigt, wie überlegen und souverän die von den Am'Nur ausgestattete Station und Crew Bedrohungen gegenüber ist, was nur zu gut vorführt, wie die Station ihre Neutralität selbst dem Goa'uld Imperium gegenüber wahren konnte.


Inhaltsverzeichnis

Aufgetretene Personen


Zusammenfassung

Das Fremde Silikoiden-Schiff Nprkryt Chasthnas kam im Sonnensystem der Raumstation Amune an und erbat eine Andockerlaubnis. Das Kristallwesen-Volk, von dem er stammte, lebte in einer anderen Galaxie auf der Heimatwelt Cryslon und einigen Kolonien. Einst waren die Silikoiden von der Spezies der Antaraner unterworfen worden. Darüber hinaus hatten die Silikoiden nur wenig Kontakt zu organischen Wesen. Als schließlich die Ori in ihre Galaxie eindrangen und dort bekehrte Völker auf die Silikoiden hetzten, wappneten sich die Kristallwesen zum Krieg. Um mehr über die Ori heraus zu finden, wurde Chasthna in die Fremde geschickt, um Kontakt zu Völkern aufzunehmen, die bereits mit den Ori zu tun gehabt hatten. Durch ein Wurmloch gelangte das Kristallwesen in die Milchstraße.
Da die Bauart, das Volk und die Intention bei dem Erstkontakt nicht bekannt waren, wurde das weitere Vorgehen dem Sicherheitsoffizier Halad Omas übergeben. Der Serrakin war misstrauisch und behandelte die Situation sehr vorsichtig. Da das Schiff des Fremden nicht zu scannen war und sich die gesamte 'Kristallmasche' auch als Falle eines Goa'uld herausstellen könnte, erlaubte man Chasthna keinen Einflug in die Inneren Docks, sondern nur ein Andocken an die äußeren Schleusen unter ständiger Beobachtung der Verteidigungsjäger Amunes. Ein Sicherheitsteam sollte an Bord gehen und sich den Unbekannten ansehen, bevor ihm vollends der Zugang zur Station erlaubt würde. Unter der Leitung von Corporal Jutsal wurde das Schiff durchsucht, wobei die Kristallkreatur feindselige Anstalten machte und angreifen wollte. Es wurde kurzerhand von dem Teamleiter erschossen, das Schiff anschließend etwas von der Station weggeschafft und mit den Bordwaffen zerstört.


Prolog

Nprkryt Chasthnas Existenz begann, wie die jedes Silikoiden: Nach dem der Zentralkörper eine gewisse Größe hatte und Antigravkristalle entwickelte, erhob er sich aus dem Nährbad und machte sich auf dem Weg aus der Krippestätte, um seinen Heimatplaneten Cryslon zu erkunden. Langsam erwachte in dem jungen Silikoiden das Bewusstsein und vieles war verwirrend, aber auch von vornherein klar, schwangen die nebligen Erinnerungen seines Ahnen doch mit seinen eigenen Gedanken mit. So wusste er auch ohne Ausbildung, wie es bei den Organischen üblich war, wo sein Platz in der Gesellschaft war. An der Seite seines Ahnen, einem Hochcenturion, befehligte er einen Flottenverband und trat nach dessen Abberufung an dessen Stelle als Hochcenturion. Eines Tages, nach acht Lebenszyklen, führte ihn sein Weg zurück zur Heimatwelt...

Die Erde hatte auf Cryslon gebebt, als Chasthna den Ältestenrat darüber informierte, dass erste Kampfhandlungen mit einer fremden Macht stattgefunden hatten. Der hohe Rat von Cryslon bestand aus den ältesten Individuen seines Volkes. Einige dieser riesigen, unbeweglichen, mit der Struktur des Planeten verwachsenen Weisen existierten bereits, bevor die Silikoiden sich zum ersten mal aufmachten, die Sterne zu erforschen. Der "Ehrwürdige", angeblich der erste aller Silikoiden, musste unfassbar alt sein. Leider sprach er nur sehr selten über die Vergangenheit und über die Zeit vor der Verwüstung der Heimatwelt durch die Antaraner vor über 100 Zyklen, was 100.000 Jahren in der Zeitrechnung der Menschen entsprach, noch viel weniger. Und wenn seine Stimme doch einmal erklang, sprach er niemals über sich selbst, sodass sogar sein Name unbekannt war, sofern er überhaupt je einen gehabt hatte.

Die antaranischen Besatzer hatten vor dem Zusammenbruch der Hegemonie mehrfach erfolglos versucht, den "Ehrwürdigen" inklusive des Rates und das von diesem verwaltete und gespeicherte Wissen, zu vernichten, aber dazu wäre es nötig gewesen, den gesamten Planeten zu sprengen. Soweit gingen nicht einmal die Antaraner ihrer Zeit und womöglich hätte nicht einmal das gereicht. Denn Cryslon und der Rat waren eins! Das war keine lose Floskel, wie die Antaranische Hegemonie zunächst annahm, sondern durchaus wörtlich zu nehmen. Die farblosen, durchsichtigen Kristallarme des "Ehrwürdigen" konnte man überall auf Cryslon aus der Erde ragen sehen und der Großteil des restlichen Rates stand ihm in der Hinsicht in kaum etwas nach. Der "Ehrwürdige" war jedoch der einzig bekannte Silikoid, dessen kristalline Struktur keinerlei Farbe aufweist, eine Tatsache, über die schon seit eh und jeh wie wild spekuliert wurde. Chasthna fühlte sich mit seinen vier Metern Höhe und seiner dunkelfarbigen Kristallstruktur jedesmal klein und schmutzig, wenn er daran dachte. Er hatte sich mehrfach versucht vorzustellen, wie es sich wohl anfühlen mußte, einen Körper von fast Planetengröße zu besitzen und seit Äonen an Ort und Stelle festzusitzen, ständig umwuselt von irgendwelchen Winzlingen, die vermutlich niemals auch nur halb so alt und groß werden würden. Vielleicht sprach der "Ehrwürdige" aus Bitterkeit über diese Erkenntnis so wenig.

Chasthnas Ahne, Quorzon, war da ein ganz anderes Kaliber und ziemlich gesprächig, vermutlich übernahm er deshalb die Rolle des Sprechers des Rates so gerne, als er damals abberufen wurde. Nicht wenige, der zur Zeit in der Hauptstadt lebenden Silikoiden, waren aus Quorzons Splittern hervorgegangen, während der "Ehrwürdige" gerade mal zwei Kinder in den letzten Einhundert Jahren hervorgebracht hatte. Nun, einer dieser beiden starb bei dem Angriff der Organischen im Grenzsektor. Der "Ehrwürdige" kommentierte diesen persönlichen Verlust mit einer kurzen, aber sehr intensiven Vibration, die auf der Planetenoberfläche mehrere Gebäude zum Einsturz gebracht hatte, was vermutlich ein weiterer Grund war, weshalb er so wenig sprach. Diese heftige Reaktion auf den Verlust eines Verwandten war ungewöhnlich, andererseits hatte es sich um seinen jüngsten Splitter gehandelt.

Der Rat hatte gewußt, dass die Silikoiden einer Konfrontation mit den Organischen nicht ewig aus dem Weg gehen konnten. Allerdings hatte niemand damit gerechnet, dass die Lage so überraschend schnell eskalieren würde. Chasthna wusste aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit sehr wenig über die Gegner. Von dem, was er sich bisher angeeignet hatte, verwirrte ihn der Begriff "Geschlecht" am meisten. Scheinbar waren die Organischen ein gespaltenes Volk, das aus "Männchen" auf der einen und aus "Weibchen" auf der anderen Seite bestand, wobei ihr Reproduktionsprozess eine Art umständliche Fusion aus beiden nötig machte, um grade mal einen einzigen neuen Organischen zu erzeugen. Chasthnas wunderte sich, dass es trotz dieses Aufwands überhaupt genug Organische gab, um ein Imperium zu kontrollieren, aber vielleicht wuchsen sie ja besonders schnell.

Bevor er noch weiter seinen Gedanken nachhängen konnte, erreichte ihn die Mitteilung, dass der Rat zu einer Entscheidung gekommen war und er machte sich sofort auf den Weg in die große Halle, um weitere Anweisungen entgegen zu nehmen...

Chasthna schwebte mit hoher Geschwindigkeit dem großen Zentraldogma entgegen. Das Zentraldogma war eine riesige Kristallpyramide mit einer Höhe und Kantenlänge von etwa acht Kilometern, die nur einen einzigen riesigen Raum enthielt: die große Halle. Hier tagte seit urerdenklichen Zeiten der Ältestenrat, beziehungsweise diejenigen Kristallverästelungen, mit denen die Ältesten kommunizierten, wuchsen innerhalb der Pyramide aus dem Boden.

Chasthna hatte die Eingangshalle fast erreicht. Er reduzierte mittels Telepathie die Leistung der mit seinem Körper verschmolzenen Antigravitationskristalle, die den Silikoiden eine schnelle Fortbewegung ermöglichten. Bei der Abwehrschlacht auf Chritani hatten besonders "schlaue" Organische versucht, Sprengkörper an den scheinbar hilflosen Silikoiden zu befestigen und dabei eine mehr als böse Überraschung erlebt. Die PSI-Kräfte der Ältesten mussten gigantisch und kaum zu beherrschen sein. Kein Silikoide, der nicht zum Rat gehörte, konnte sich daran erinnern, dass diese sie je benutzt hätten. Legenden zufolge konnte man damit Schiffe im Orbit von Cryslon zerschmettern.

Chasthna hatte mittlerweile die große Halle erreicht. Zwischen den kilometerhohen Kristallspitzen der Ältesten zeigten gigantische Hologramme noch immer Ausschnitte aus der Schlacht gegen die Organischen. Die Holo-Kristalle dienten hauptsächlich dazu, die Ältesten über Ereignisse im Silikoidenreich zu informieren und erzeugten außerdem große Abbilder von den jüngeren Silikoiden und Abgesandten fremder Völker, falls diese vor dem Rat sprechen durften.

Chasthna glitt geräuschlos auf eines der bereitstehenden Kristalldreiecke und schwebte nach oben. In 1,3 Kilometern Höhe warteten bereits Hunderte andere Silikoiden. Er sah auch eine Delegation "Evon", offenbar waren auch Vertreter der Evon-Flüchtlinge zur Ratsitzung beordert worden. Chasthna musterte diese schwächlichen, kurzlebigen Wesen. Sie steckten in Schutzanzügen, da sie die gesunde Schwefeldioxid-Atmosphäre von Cryslon nicht vertrugen und auch empfindlich gegenüber den 100-110°C waren, die gegenwärtig herrschten. Vor etwa einem Jahr hatten tausende Flüchtlinge dieser Wesen um Zuflucht gebeten. Obwohl diese seltsame Zweigeschlechter-Spezies eine starke Ähnlichkeit mit den Organischen hatte, die sie kürzlich angriffen, verhielten sie sich jedoch äußerst friedlich, rational und kultiviert.

Schließlich ertönte die Stimme des Ratssprechers Quorzon: "Die Evon haben bestätigt, dass die Organischen, die wir erfolgreiche vernichten konnten, im Krieg gegen sie keine anderen Waffen verwendeten, als die kürzlich gegen uns eingesetzten. Ihre aggressiven Mikroorganismen, so furchtbar sie auch gegen organisches Leben sind, haben keinerlei Wirkung auf unseren Kristallmetabolismus. Ihre Energiewaffen und Torpedos sind ziemlich ineffektiv gegen unsere Tritan-Circalium-Raumschifflegierung. Bei gleichstarken Flotten sind wir also im Vorteil. Obwohl es unserer friedlichen Natur widerspricht, ist der Rat zum Schluss gelangt, dass diese Organischen keine andere Sprache als militärische Stärke versteht. Wir werden eine allerletzte Warnung an die Organischen schicken und mit massivsten Konsequenzen drohen, falls sie ihre Feindseligkeiten nicht einstellen. Beim ersten Angriff werden wir einen massiven Schlag mit Neutronenwaffen gegen das von den organischen Aggressoren kontrollierte Ruhm-System unternehmen und alle dortigen Werften und Stationen zerstören. Von den Evon wissen wir, dass dies eines ihrer militärischen Zentren ist. Falls sie uns herausfordern, müssen wir ihnen eine Lektion erteilen. Als weitere Maßnahme wird angeordnet, dass 85% der gezüchteten Kunst-Kristalle, die zum Bau von Schiffen geeignet sind, ab sofort in die militärische Produktion fallen."

Die Entscheidung des Rates war gefallen. Weitere genaue Angriffspläne und Strategien folgten. Der Präsident der Exil-Evon, Doktor Sha'en, hatte um die Erlaubnis, zu sprechen, gebeten. Ihr 500 Meter großes Abbild erschien im Vergleich zu den Ältesten immer noch winzig. "Ich danke Ihnen, dass Sie mich anhören. Nach allem, was wir wissen, ist ihre Waffentechnologie den Organischen überlegen. Auch wenn die Massenvernichtungswaffen, die mein Volk so gut wie ausgerottet haben, Ihnen nichts anhaben können, möchte ich dennoch zu größter Vorsicht raten. Der Krieg gegen die Organischen, wir nennen sie Ori, verlief für uns damals erst recht gut, bis die Ori plötzlich binnen einer Woche schreckliche Massenvernichtungswaffen einsetzten: Über 200 Krankheitserreger, die anscheinend speziell gegen Evon konzipiert waren. Nach allem, was wir über die Ori wissen, fehlen ihnen die wissenschaftlichen Fähigkeiten dazu, irgendjemand muss ihnen diese Waffen geliefert haben. Da Sie sich vor allem dafür interessiert haben, ob die Ori über Gravitationswaffen, modulierte Grav-Wellen oder Tiefenmolekularscanner verfügen, vermute ich dass Sie die Möglichkeit einer Resonanzkatastrophe befürchten." Plötzlich herrschte eisige Stille. "Ich weiß nicht, wer der Verbündete der Ori ist, aber ich bin sicher, dass dieser jemand bereits daran gedacht hat, dass Kristalle sich am besten durch eine Eigenresonanzkatastrophe zerstören lassen und bereits an einer geeigneten Massenvernichtungswaffe basteln. Warten Sie nicht, bis sie einen Weg gefunden haben, auch Sie zu ermorden."

Die Worte von Doktor Sha'en beunruhigten die Silikoiden zutiefst. Jeder der etwas von Kristall-Physik verstand, wusste von der Möglichkeit einer Resonanzkatastrophe. Die Silikoiden hatten bereits vor Jahrtausenden selbst solchen Waffen hergestellt, um eine effektive Möglichkeit zur Verteidigung zu finden. Bisher ohne Erfolg. Bis auf ... Eine Möglichkeit gab es, aber...

Tief unter der Oberfläche von Cryslon gab es in einer sehr abgelegenen Gegend eine unscheinbare Höhle. Dort traf sich der Geheimbund der Wächter vor drei Kristallspitzen, die zum Ehrwürdigen und den zwei anderen Allerältesten gehörten. Gemeinsam bewahrten sie ein dunkles Geheimnis.
"Ehrwürdiger, wünscht Ihr, dass die Kristallentinitäten oder eine davon aus ihrem Tiefschlaf geweckt werden?" Fragte der Sprecher Quorzon.
Eine Stimme erklang aus dem farblosen Kristall, nirgendwo sonst hörbar, nur in dieser Höhle.
"Nein, für derartige Maßnahmen ist es noch zu früh. Wir können nicht das Leben von unzähligen Milliarden so leichtfertig in Gefahr bringen."
"Ihr vergesst, dass sie Entitänten sich nur von biologischen Lebensformen ernähren können, nicht von uns."
"Dennoch wären unzähligen Milliarden in Gefahr. Außerdem hat sich der Prototyp damals kurzeitig gegen uns gewandt. Ich bin keinesfalls bereit, dieses Risiko einzugehen."

"Wir haben schon einmal zulange gezögert", warndte Quorzon, "vielleicht hätten wir damit die Hegemonie abwehren können."
"Die Zeit reichte damals einfach nicht, um genügend zu erschaffen. Die beiden Entitäten hätten die Antaraner niemals besiegt. Falls wir es gewagt hätten, eine derartige Waffe gegen sie einzusetzen, hätten sie dafür jede unserer Welten, auch Cryslon, mit ihren Blackhole-Generatoren ausradiert. Die Entitäten sind Vergangenheit und das müssen sich auch bleiben."

Schließlich beauftragte der Hohe Rat Chasthna Verbindung mit anderen Spezies aufzunehmen, um mehr über diese ominösen Ori zu erfahren. Mit einem Standartkristalljäger öffnete er ein Wurmloch und verließ seine Heimatgalaxie auf der Suche nach anderen Spezies. Seine Reise führte ihn schließlich zu einer großen Raumstation in der Milchstraße, die aber anscheinend neutral war...


Ohne zu zögern

Erstkontakt

Ein Schiff unbekannter Bauart tauchte auf den Langstreckensensoren der Raumstation Amune auf. Es näherte sich mit hoher Geschwindigkeit und stoppte dann im nahen Umkreis um die Station abrupt. Der Größe nach war es wohl ein Jäger oder Transporter, doch das war reine Spekulation, da das Schiff in keinen Datenbanken verzeichnet war. Es sah aus, wie ein Kristall. Seine Farbe war Gelb und es leuchtete aus dem Inneren heraus in grellem Weiß. Es konnte nicht gescannt werden. Jedoch wurde eine Nachricht an die Station übertragen...

Eine riesige Gestalt erschien auf der Übertragung des unbekannten Schiffes. Es war ebenfalls eine Art Kristall. Er leuchtete Purpur und seine Umgebung schien aus dem selben Material. "Kommen... Friedlich...", spuckte der Übersetzungscomputer der Amune aus.

Das unbekannte Kristallschiff hielt seine Position, während es die Station mit einer Art Scann-Strahl abtastete.
Der Status-Quo der 'Null-Informationen' wurde dadurch eingehalten, dass auch die Schilde der Station von den Scannern des fremden Schiffes nicht durchdrungen werden konnten. Dass verschiedene Waffen Amunes auf das Kristallgefährt gerichtet waren, welche bereits die mächtigsten Replikatorenschiffe mit einem Streifschuss in die ewigen Jagdgründe befördert hätten, wurde dem Steuermann oder der Crew innerhalb des 'Transporters' oder 'Jägers' nicht bewusst.
Anstatt der üblichen (eher Zivilen) Mitarbeiter an den Kommunikationsstationen, hatte sich nun Aufgrund der unbekannten Herkunft und Bauart des fremden Schiffes ein ranghoher Sicherheitsoffizier der Sache angenommen. Ein Serrakin mittleren Alters, der eine lange Narbe auf der linken Wange trug, erschien auf einem Audio-Visuellen-Kanal, um mit der Crew des Kristallschiffes zu reden.

"... hier ist Commander Halad Omas der neutralen Handelsstation Amune. Identifizieren Sie sich und senken Sie Schilde, sowie andere Störsender, damit wir Ihr Schiff auf verdächtige Energieanstiege und Signaturen überprüfen können."

Der starke Abtaststrahl, aus für Organische unbegreiflicher Energiequelle angetrieben, versuchte die Amune-Techniker über die Maßen auf Trapp zu halten, nutzte er doch für gewöhnlich jede Schwankung und Anomalie in Schildsystemen aus, um Informationen zu erlangen, vermochte Amune jedoch nicht zu scannen. Natürlich war sein Schiff dieser Station unterlegen, das war Chasthna bewusst, dem einzigen Bordmitglied und Piloten zugleich. Dennoch war er wissbegierig auf diese Organischen, die ihn erwarten würden. Ein 500 Jähriger Tiefschlaf hatte sein Raumschiff in seinem unvorstellbar leistungsfähigen Antrieb in diese Galaxie befördert.

Sein Schiff nutzte keine Schilde, stattdessen blockte die robuste Kristalllegierung jegliche Abtastung des Inneren ab und konnte extremer Hitzeeinwirkung, sowie Stahlenbeschuss, einige Zeit widerstehen. Sicherlich würden die Strahlenwaffen dieser Station überlegen sein, stellte der Silikoid aber für sich an Bord des kleinen Kristallschiffes fest. Nach dem die Sprache der eingehenden Botschaft von dem Hauptcomputer übersetzt und analysiert wurde, antwortete der Silikoid schließlich: "Hochcenturion Nprkryt Chasthna. Silikoidenreich. Schiff... kennt... keine Schilde."
Die Stimme des Silikoiden erklang wie ein Steinschlag. Der Ton war deutlich und grollend.

"...die Sicherheitspolitik von Amune ist eindeutig: Gefahrenquellen wird keine Einflugerlaubnis in unsere Hangars gestattet. Wir können dieses... Schiff... nicht Scannen. Ob Waffensysteme aktiviert oder Bomben scharf gemacht wurden, ist uns genauso unbekannt, wie der womöglich gerade überladende Status des Energiekerns", entgegnete der Commander schroff. Es war schwer bei der ledrigen Haut eines Vollblut Serrakin die Mimik ohne Zweifel auszumachen. Obwohl der momentan in dieser Schicht ranghöchste Beamte nicht wusste, mit wem er es zu tun hatte, dachte er nicht wirklich daran, tatsächlich mit einem Kristall zu sprechen, sondern mit einem 'Avatar'. Auch wenn die Goa'uld und andere Feinde Amune teilweiße akzeptierten oder sogar für ihre Zwecke nutzten (was voll im Sinne Amunes war, sofern die Station ihren Teil des Gewinns abbekam), so würden sie die überlegene Technologie der Am'Nur nur zu gern in die Finger bekommen.
Die Photonische-Kanone degradierte jedes Antiker-Drohnengeschütz zu einem Kinderspielzeug und war einer der wenigen (aber der absolute) Gründe, warum kein Goa'uld, der bei Sinnen war, seine Schiffe an die Station vergeudete.
So war das Innere der Station, wenn auch so gut wie möglich gesichert, die angreifbarste Stelle.
"...wir kennen kein Silikoidenreich, noch kennt die Station Amune blindes Vertrauen. Wir müssen uns von der Ungefährlichkeit des Schiffes überzeugen, bevor es in die Schilde der Station eingelassen wird."

Da er den großteils unverständlichen Äußerungen dieser zweibeinigen Kreatur nicht folgen konnte - Die Übersetzungsmatrix des Schiffes hatte Probleme mit der ungewöhnlichen Sprache des Organischen - lud das Kristallwesen einfach die Fremden von sich aus ein, auf sein Schiff zu kommen, um sich von der Ungefährlichkeit zu überzeugen.
"Ein Organischer... Kommen auf Schiff, sehen sich an, gehen wieder", grollte Chasthnas Stimme zur Antwort. Sie klang jetzt wie zwei Steine, die man gegeneinander rieb. Es war ein tiefer, monotoner Klang. Hinzu kam, dass seine Stimme schallte, da der Pilotenraum, in dem er sich befand, fast dreifach so hoch, wie Chasthna, war und wenn man bedachte, wie groß Chasthna mit seinen vier Metern war, hatte man ein gutes Bild von der Größe und dem Widerhall der Kristallwände.
Chasthna war es sowieso nicht gewohnt, von seiner Sprachmatrix gebrauch zu machen, eigentlich kommunizierte er lieber via Telepathie.

Der Silikoid übermittelte Amune Andockkoordinaten für sein Schiff, das immer noch bewegungslos nahe der Station schwebte. Was Chasthna nicht wusste, war, dass Organische die Kristalltechnologie womöglich nicht verstehen würden. Sein Schiff und die Schiffssysteme bestanden vollständig aus Kristallstrukturen und so sah es dann auch im Inneren aus: Es gab keine Schalt- oder Bedienelemente. Die Kristalltechnologie funktionierte ausschließlich mit Silikoiden-Telepathie.
Selbst wenn das Kristallschiff scannbar gewesen wäre, hätte die Amune-Crew vielleicht nichts mit den Scann-Daten anfangen können. Zu fremdartig war die Technologie - sie verstehen und erfassen zu können, entzog sich dem organischen Denken.

In diesem Moment zeigten die Sensoren des fremden Schiffes an, dass sich fünf kleine Objekte von der Station abtrennten - wobei klein bedeutete, dass sie in etwa die selbe Größe hatten, wie das Kristallschiff. Bevor die Antwort des Organischen übermittelt wurde, hatte es die Übersetzungsmatrix endlich geschafft, den Sprachaufbau an Hand der Vokabeln, Sinnhaftigkeit und Aussprache für Chasthna verständlich zu machen.
"...Fünf Jäger werden ihr Schiff zu einem der Außendocks eskortieren. Wir übermitteln Ihnen einen Kurs, den Sie nicht verlassen werden. Ein Sicherheitsteam wird über eines der Außendocks Ihr Schiff betreten und Ihre Identität überprüfen, sowie das Schiff nach Gefahren untersuchen. Bitte kooperieren Sie, um keine unnötigen Eskalationen hervor zu rufen", antwortete der Commander. Dann verschwand sein Bild und machte dem eines behelmten Kampfpiloten Platz.
Der Corporal erklärte, dass er die Spitze dieser Staffel bilden würde, welche auf der vorgeschriebenen Route zu einem Außendock flog, in dessen Umgebung momentan die wenigsten fremden Schiffe waren - damit wären Zivile Opfer bei einer Militäraktion also möglichst gering zu halten.
Der Silikoid hörte sich die eingegangenen Mitteilungen der Amune-Stationsleitung an, antwortete aber nichts darauf. Wie eine riesige Eiche, an der sich ein kleines Schwein schabte, veranlasste er alles Notwendige und das kristalline Schiff, das etwas größer als ein Goa'uld Tel'tak war, flog exakt die angegebene Flugbahn entlang. Würde es sich bei diesen Organischen um Feinde handeln, hätte er die Piloten der Amune-Jäger längst mit seinen Neutronenimpulswaffe angegriffen und sich durch den Sprungantrieb seines Schiffes in Sicherheit gebracht.

Außendocks

Die fünf Jäger geleiteten das Kristallschiff des Silikoiden zu einem kleineren Außendock und Chasthna lenkte sein Schiff mit äußerster Präzision zu der Anlage. Am Dock angekommen, 'parkte' Chasthna sein Schiff ohne Hilfe von Computern auf den Mikromillimeter genau in der Haltebucht. Über diverse Hologramme, die im Mono in dem er sich befand, aufflimmerten, verfolgte er das Geschehen. Als es in Reichweite eben dieses Docks war, fuhr eine Art von automatischem Andock-Schlauch an das fremde Schiff heran, welcher automatisch die angegebene Stelle des Zugangsschotts ansteuerte und sich spielerisch an dessen Oberfläche anpasste.

Während die Jäger in der Nähe schwebten und das unbekannte Objekt keinen Augenblick außer Acht ließen, stieg ein sechsköpfiges Einsatzkommando in die große Röhre des Verbindungstunnels. In ihren schwarzen, luftdichten Exoskeletten und der schweren Bewaffnung, waren sie auf alles vorbereitet - von Reetou Attentätern, über eine Gruppe Elite-Jaffa, bishin zu anderen Dingen.
Der Gruppenführer des Einsatzteams baute eine Visuelle Kommunikationsverbindung mit dem Kristallschiff auf und gab die Anweisung, das Schott zu öffnen und ihnen Einlass zu gewähren.

Mit dem Abtaststrahl, der kurz in einem grellen Weiß aufblitzte, scannte das Kristallwesen die sechs zweibeinigen Organischen, die sich vor dem sechs auf sechs Meter großen, kreisrunden Eingang befanden. Sie stellten keinerlei Bedrohung da, wie es seinen Daten nach schien. Chasthna schwebte majestätisch mit seinen Antigraviationskristallen zur Eingangshalle, wo er den Schiffseinlass per Telepathieanweisung öffnete.
Er selbst hatte sich nicht bewaffnet, reichte doch die Schiffsinterne Verteidigung seiner Ansicht nach vollkommen aus, um den kleinwüchsigen Organischen Herr zu werden, falls sie sich aggressiv verhalten würden. Der widerstandfähige Hauptwaffenkristall in der Raummitte leuchtete grell, jeder Zeit bereit, auf Anweisung Chasthnas die Organischen auszulöschen. Der Silikoid flog gut gelaunt auf die zu, die nun das Schiff betraten. Sein Kristallkörper leuchtete Purpur und da er endlich die Sprache der Organischen verstanden hatte, übertrug er an den, welchen er für den Anführer dieser Gruppe hielt, eine telepathische Grußbotschaft, die aus einem einfachen
"Willkommen" bestand. Die Größenunterschiede zwischen ihm, dem Schiff und den Organischen, mussten Eindruck hinterlassen.

Der Teamleader hob erstaunt sein Gaußgewehr, welches das Kristallwesen schon mit einer Salve in Stücke gerissen hätte und betrachtete das seltsame Gebilde, welches sich vor ihm auftürmte. Auch die anderen Soldaten des Trupps hatten mit vielem gerechnet, nur nicht mit so etwas und ihre Zeigefinger ruhten nervös auf dem Auslöser der Gaußgewehre. Durch eine kurze Betätigung würde eine Mischung aus einem halben dutzend Mirkosprengprojektilen und einer Energiewaffe verschossen, bevor irgendeine Kreatur überhaupt in der Lage wäre, mit einem Gedanken zu erfassen, was passierte - geschweige denn dagegen reagieren konnte.
"...Mein Name ist Corporal Jutsal - wir sind hier, um Ihr Schiff auf Gefahren zu untersuchen ... Sprengkörper, Energiewaffen und so weiter. Ich hoffe, Sie werden kooperieren, dann wird diese Prozedur nicht länger als nötig dauern", entgegnete der Soldat kühl, ohne groß auf das Willkommen einzugehen. Als Söldner der Station war es seine Aufgabe, brenzlige Situationen zu meistern; für die Kundenbetreuung würde später jemand anderes geschickt werden, der zwar nicht so gut darin wäre, einen Kristall, bevor dieser reagieren kann, in Splitter zu verwandeln, wohl aber besser darin, Geschäfte abzuschließen.

Für Chasthnas war es sicherlich zu erst das Beste, die Organischen in Sicherheit zu wiegen und nicht bedrohlich zu wirken. Sie sollten sich ruhig sicher fühlen und den Glauben behalten, die Kontrolle zu haben.
Sie konnten sein Schiff nicht scannen, daher wollten sie es in Augenschein nehmen. Mehr als 'rumgucken' konnten sie nicht, dachte sich Chasthna, als der als Anführer ausgemachte Organische seine Waffe erhob und damit auf ihn zielte. Das Silikoidenschiff verfügte über eine interne Verteidigung, die eine Enterung im Grunde sehr schwer machte. So behielten die kristallinen Sensoren des Schiffes die Eindringlinge genau im 'Auge'.
Entweder durch Neutronenbeschuss oder andere schiffsinterne Waffensysteme, welche in diesem Moment von den Organischen unbemerkt auf sie zielten, würde er sich verteidigen können. An Bord seines Schiffes, wähnte sich Chasthnas in der absoluten Kontrolle.

Das Kristallwesen verstand aber auch das Verhalten der Fremden, weshalb er auch sogut gelaunt war. Würde im Orbit seiner Heimatwelt auf einmal ein unbekanntes Schiff aufkreuzen, würde sofort die gesamte Systemverteidigung des Cryslon-Systems in Feuerbereitschaft versetzt werden.
Mit diesen Organischen war es daher eher von Vorteil in ihrer Sprachart zu kommunizieren, überlegte sich der Silikoide, der die Winzlinge vor sich anblickte.

"Komm mit deinen Leuten an Bord, junger Corporal Jutsal. Wenn du und deine Leute sich friedlich verhalten, wird euch kein Schaden zugefügt", erklang die Baumbart-ähnliche Stimme durch die Sprachmatrix Chasthnas. Jedes Wort erklang wie ein Donnerwetter, war aber deutlich zu vernehmen. Das Kristallwesen flog daraufhin in das Innere zurück.
"Weise deine Leute an, zusammen zu bleiben und mir zu folgen, junger Corporal. Sonst kann ich nicht für eure Sicherheit garantieren."
Natürlich war das Schiff nicht so groß, dass man sich darin schnell verlaufen konnte, aber für die Waffenkristalle an Bord spielte das keine Rolle. Bedrohung war Bedrohung und wenn einer der Organischen vorwitzig handeln würde und aus Versehen Unsinn anstellte, würde er automatisch als Bedrohung vom Schiff eingestuft, was der Gesundheit sehr abträglich wäre. Es war besser, wenn Chasthna alle im Blickfeld hatte, zumal sich die Organischen gar nicht an Bord auskannten.

Der Corporal grinste dreckig, als dieser Koloss ihm indirekt drohen wollte. Hinter dem schwarzen Sichtschutz seines Helmes war der Gesichtsausdruck des Mannes nur schwer zu erkennen. Sein Team bestand aus fünf Menschen, er selbst gehörte zu einer anderen, seltenen und relativ 'frischen' Spezies. Er verließ sich ganz auf die Technik seiner Auftraggeber - der Kampfanzug mit dem Exoskelett würde selbst den widrigsten Umweltbedingungen lange genug standhalten, um auch noch das Innere dieses Schiffes in Schutt und Asche - oder besser Splitter und Staub - zu zerlegen.
"...Dieses Team wird sich in drei Gruppen aufteilen - eine wird DICH im Auge behalten und DU wirst etwaige Fragen beantworten, die anderen sehen sich um."
Anscheinend war das Vorgehen bereits zwischen den dunkel gekleideten Gestalten abgesprochen, denn zwei blieben bei der Kristallkreatur, während sich zwei schon entfernten und ein anderes Teammitglied neben dem Corporal Stellung bezog. "...DU bist ein unbekanntes Objekt - genauso möglicherweise eine Falle der Goa'uld oder nichts Wichtiges. Wir sollen das Einschätzen. DU hast noch weder diplomatischen Status, noch bist du als Händler oder Kunde der Station registriert - das bedeutet, du solltest unseren Anweisungen folge leisten... falls wir dich wegpusten müssen - und ohne Zweifel würden wir das ohne Probleme tun - beschränkt sich mein Papierkram momentan noch nur darauf, dich als Piraten einzustufen."
Während der Jutsal dem Fremden klar zu machen versuchte, dass jede Provokation sein Ende wäre, hatte das eine Zweier-Team etwas ausgemacht, an das sie einen tragbaren Computer der Am'Nur anschlossen. Das System passte sich innerhalb weniger Sekunden selbständig dank seiner Nanotechnologie an und ermöglichte eine Verbindung.
In einem Ohrstecker des Corporals erklang plötzlich die Stimme seines Teamkollegen:
"...der Computer dechiffriert gerade ein paar Daten. Scheint sauber zu sein - nicht aus dieser Galaxis, lange unterwegs... nichts gespeichert über Abstecher zu Völkern, die besonders feindlich sind. Ich kann bisher keine Manipulation der Daten feststellen..."
Der Corporal nickte kurz, auch wenn dies sein Kollege wohl nicht sehen konnte und wandte sich dann wieder an das Kristallwesen.
"...zu welchem Zweck steuern sie diese Station an - Handel?", fragte er den Fremden, ohne sich zu ihm umzuwenden.

Plötzlich, noch die Antwort der Kreatur abwartend, merkte der Leader des Untersuchungstrupps, wie die Energieanzeige des Scanners an seiner Unterarmpanzerung in die Höhe schnellte. Die Quelle war hinter ihm - das Kristallwesen kam auf sie zu.
"Nicht weiter", befahl der Corporal mit fester Stimme und hob seine Waffe. Warum das Wesen nicht tat, wie geheißen oder warum es überhaupt drohend näher rückte, würde wohl ein Geheimnis bleiben, denn es blieb nicht stehen.
Jutal zögerte nicht einen weiteren Augenblick. Er betätigte den Abzug und eine Mischung aus Projektil und Energiewaffe schoss in kaum zählbarer Menge aus seinem Gewehr hervor. Die Aktion dauerte kaum einen Atmenzug und war zu Ende, bevor die Waffen seiner Kameraden mit einstimmen konnten. Die Schüsse hatten den Koloss von Kristallwesen regelrecht zersplittern lassen und all seine Überreste in dem Alienschiff verteilt.

Die Stationsführung entschloss sich nach diesem Ereignis, das Kristallschiff mit dem Traktorstrahl von der Station weg zu schaffen und vernichtete das Gefährt anschließend mühelos mit einem der vielen kleineren Geschütze - man hätte mit dem Schiff nichts anfangen können, da es nichts darin gab, was für Amune von Bedeutung gewesen wäre, außer der Erfahrung, dass diesem Volk anscheinend nicht zu trauen war.


Artikel erstellt von Basti. Kontrolliert von Silfides am 21.07.2011.

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